Die 35 Folgen der Sucht – was sagte der Buddha über Klarheit?
- 20. Feb.
- 16 Min. Lesezeit

Wir leben in einer Zeit, in der wir glauben, alles im Griff zu haben. Unsere Woche ist organisiert. Unsere Aufgaben sind geplant. Unsere Geräte reagieren sofort. Mit einem Fingertipp können wir fast jeden Zustand verändern.
Wenn wir müde sind, trinken wir Kaffee. Wenn wir angespannt sind, greifen wir zum Handy. Wenn der Tag zu viel war, öffnen wir eine Flasche Wein oder verlieren uns in einer Netflix Serie.
Es wirkt harmlos. Es wirkt wie eine bewusste Entscheidung. Und genau so fühlt es sich auch an.
Wir sagen uns, dass es ja nicht schlimm ist und wir jederzeit aufhören könnten. Dass wir selbst bestimmen, wann genug ist. Dass wir die Kontrolle haben. Es gibt 'Schlimmeres', außerdem machen die anderen das ja auch, was ist schon dabei...
Doch wenn wir uns einen Moment lang erlauben, genauer hinzuschauen, entdecken wir oft etwas Größeres.
Das Wort Sucht klingt erst einmal hart – und doch beginnt sie selten dramatisch. Sie beginnt in kleinen Momenten, die wir kaum bemerken.
Der Buddha beschrieb 35 Folgen für unser Leben, die aus diesen scheinbar harmlosen Mustern entstehen können.
In diesem Artikel erfährst du, warum Klarheit der entscheidende Punkt ist und wie du sie in deinem Alltag wieder stärken kannst.
Kurz vorab: Wenn du akut Unterstützung brauchst
Dieser Artikel ist keine Kritik an deinem Leben und kein Maßstab, den du erfüllen musst. Er ist ein Spiegel, der dir helfen kann, dich selbst besser zu erkennen.
Die Inhalte sollen Klarheit schaffen, nicht Druck.
Manchmal erkennen wir beim Lesen, wie stark bestimmte Muster bereits geworden sind. Wenn du merkst, dass du unter deinem Konsum leidest oder die Kontrolle verloren hast, ist es wichtig zu wissen: Du musst da nicht alleine durch.
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Ok, lasst uns beginnen.

Wir sagen uns, "wir wollen nur kurz abschalten". Nur kurz nichts mehr fühlen müssen.
In unserer Welt ist das normal. Es gehört dazu. Wir funktionieren. Wir leisten viel. Und irgendwann am Tag kommt der Moment, an dem wir uns selbst nicht mehr spüren wollen, sondern nur noch Ruhe suchen.
So haben wir das in unserem 'Dorf' gelernt, bei unseren Eltern, Großeltern und deren Umfeld.
Auch in unseren Beziehungen kennen wir diese Momente. Ein Gespräch bleibt an der Oberfläche, weil wir zu müde sind, wirklich zuzuhören.
Wir sitzen nebeneinander und jeder schaut auf seinen eigenen Bildschirm.
Wir essen, ohne wirklich da zu sein. Es ist kein Streit. Es ist kein Drama. Nur eine leise Distanz, die sich einschleicht.
Im Job ist es ähnlich. Wir greifen zum Kaffee, obwohl unser Körper längst erschöpft ist. Wir lenken uns ab, sobald eine unangenehme Aufgabe vor uns liegt.

Wir suchen nach einem kleinen Impuls, der uns wieder antreibt oder uns für einen Moment vergessen lässt, wie wir uns wirklich fühlen.
Auch ich kenne diese Momente gut.
Es gab eine Phase in meinem Leben, in der ich jede Form von Betäubung und Ablenkung genutzt habe, die ich finden konnte. Damals habe ich nicht verstanden, was ich dabei ganz langsam verloren habe.
Wenn wir ehrlich hinschauen, erkennen wir etwas sehr Subtiles. In solchen Momenten verlassen wir einen Teil unserer Klarheit. Nicht vollständig. Erst mal nur ein wenig. Später immer mehr.
Es ist, als würden wir einen Schritt zurücktreten aus der unmittelbaren Erfahrung unseres Lebens.
Und genau hier beginnt eine Frage, die alles verändern kann:
Was geschieht mit uns, wenn wir unsere Klarheit verlassen?
Diese Momente wirken klein. Fast unbedeutend. Und doch formen sie unser gesamtes Leben.

In unseren Beziehungen entscheidet unsere Klarheit darüber, ob wir wirklich zuhören können.
Wenn wir klar sind, spüren wir, was der andere Mensch fühlt. Wir hören und verstehen unsere Eltern, unsere Beziehunsgperson, unser Kind wirklich.
Wir reagieren nicht nur aus Gewohnheit. Wir können präsent bleiben, auch wenn ein Gespräch schwierig wird. Genau dort entsteht echte Nähe.
Wenn unsere Klarheit geschwächt ist, verlieren wir diesen Kontakt. Wir sind körperlich anwesend, doch innerlich weit entfernt.
Auch unser innerer Zustand verändert sich. Klarheit gibt uns Stabilität. Wir fühlen uns gesammelt. Wir können mit schwierigen Gefühlen gut umgehen, ohne sofort reagieren zu müssen.
Ohne Klarheit werden wir leichter unruhig. Wir suchen schneller nach Ablenkung. Wir verlieren das Vertrauen, dass wir mit uns selbst sein können, so wie wir gerade sind.
Im Job zeigt sich Klarheit als Fokus und als Integrität. Wir treffen Entscheidungen, die sich stimmig anfühlen. Wir handeln nicht nur, um Druck zu vermeiden, sondern weil wir bewusst wählen.

Ohne Klarheit reagieren wir häufiger automatisch. Wir sagen "Ja, passt schon!", obwohl wir ganz klar "Nein" meinen. Oder wir vermeiden das, was eigentlich wichtig wäre.
Aus buddhistischer Sicht geht es dabei um noch mehr. Jeder Moment von Klarheit ist ein Moment, in dem wir bewusst handeln können. Und jede bewusste Handlung pflanzt einen karmischen Samen.
„In dem Moment, in dem du ein negatives Muster erkennst, beginnt deine Freiheit davon.“ – Geshe Michael Roach
Diese Samen formen unsere Zukunft. Sie formen, wie wir die Welt erleben. Sie formen, wer wir werden.
Wenn unsere Klarheit stark ist, können wir diese Samen bewusst pflanzen.
Wir können beginnen, unser Leben in eine Richtung zu lenken, die von Vertrauen, Nähe und innerer Freiheit geprägt ist. Wenn unsere Klarheit geschwächt ist, handeln wir häufiger unbewusst.
Dann pflanzen wir Samen, deren Wirkung wir oft erst viel später verstehen.
Deshalb ist die Frage der Klarheit keine philosophische Idee. Sie ist zutiefst praktisch. Sie entscheidet darüber, wie wir lieben. Wie wir arbeiten. Wie wir uns selbst erleben. Und welche Zukunft in unserem eigenen Geist heranwächst.
Der Blick des Buddha: Eine überraschend präzise Analyse von Sucht und Intoxikation

Vor über 2.500 Jahren richtete der Buddha sich an einen seiner Schüler (Nandika). Er sagte:
„Es gibt 35 Probleme, die aus dem Gebrauch von Intoxikanten entstehen.“
Dieser Satz kann im ersten Moment ein wenig belehrend wirken. Doch wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir etwas anderes. Der Buddha sprach hier nicht als moralische Autorität. Er sprach als genauer Beobachter des menschlichen Geistes.
Er beschrieb keine Theorie. Er beschrieb, was geschieht. Nachzulesen in "All the kinds of Karma", genauer: im Anhang des Buches, das mein verehrter Lehrer Geshe Michael übersetzt hat.
Erfahrungen aus der Praxis haben mich persönlich immer gut abgeholt, weil ich mit Theorie nie wirklich etwas anfangen konnte. Wir alle machen Erfahrungen und die Berichte darüber waren für mich immer greifbarer.
Der Buddha sah, dass Intoxikation nicht nur den Körper beeinflusst. Sie verändert die Art, wie wir die Welt erleben. Sie verändert die Klarheit, mit der wir wahrnehmen. Und sie verändert die Entscheidungen, die wir daraus treffen.
Die 35 Probleme (am Ende des Artikels aufgelistet) beginnen nicht mit Krankheit. Sie beginnen viel früher. Sie beginnen mit kleinen Verschiebungen in unserem Leben. Wir verlieren Fokus. Wir verlieren Stabilität.
Ich weiß nicht mehr, wie viele private oder berufliche Termine ich damals zu spät oder garnicht wahrgenommen habe oder wie oft ich aufgrund Erkältung, Kopfschmerzen oder anderen "Krankheiten" ausgefallen bin. Unzählige Male. Stolz ist darauf keiner von uns.

Unsere Beziehungen verändern sich. Unser inneres Gleichgewicht wird fragiler.
Mit der Zeit verstärken sich diese Bewegungen. Wir entfernen uns von Menschen, die uns guttun. Wir verlieren den Kontakt zu dem, was uns Orientierung gibt.
Und schließlich verlieren wir ein Stück der Verbindung zu uns selbst.
Wir merken nicht mehr, dass wir Gewicht verlieren – oder zunehmen. Der Zustand unserer Haut, die Gesundheit unserer Zähne, Augen, Ohren, Haare, Nägel bleibt weitestgehend unbeachtet. Ablenkung wird zur Normalität, oft folgt daraus dann auch Isolation. Und noch mehr Konsum, egal von was.
Der Buddha zeigte damit etwas, das auch heute noch zutiefst aktuell ist. Das eigentliche Problem ist nicht die Substanz selbst. Das eigentliche Problem ist der Verlust von Klarheit, der ihr folgt.
Denn Klarheit ist die Grundlage für alles, was wir tun. Sie ist die Grundlage für jede bewusste Entscheidung. Und jede bewusste Entscheidung ist die Grundlage für das Leben, das wir erfahren.

Warum Klarheit die Grundlage für Karma ist – und wie Sucht entsteht
Wenn wir das Wort Sucht hören, denken wir oft an extreme Formen. An Alkoholabhängigkeit. An alle Arten von Drogen. An Menschen, die die Kontrolle über ihr Leben verloren haben.
Die Mediensucht ist dazu gekommen, seit wir an jedem Ort Breitband Internet und Smartphones haben, auch in den Händen unserer Kinder.
Aus buddhistischer Sicht beginnt Sucht jedoch viel früher.
Sucht beginnt in dem Moment, in dem wir uns von unserer eigenen Klarheit entfernen.
In dem Moment, in dem wir etwas nutzen, um nicht mehr vollständig zu spüren, was gerade da ist.
Das kann eine Substanz sein. Es kann ein Verhalten sein. Es kann auch ein Gedanke sein, zu dem wir immer wieder zurückkehren, um uns selbst nicht begegnen zu müssen.
Wir sehen es, wenn wir abends zum Glas Wein greifen, nicht aus Genuss, sondern um den inneren Druck nicht mehr zu spüren. Für einen Moment wird es ruhiger. Am nächsten Tag ist die Unruhe oft immernoch da.
Wir sehen es, wenn wir zum Handy greifen, sobald ein stiller Moment entsteht. Eine Nachricht. Ein Video. Ein kurzer Blick – ein endloses Scrollen. Nicht, weil es wichtig ist, sondern weil wir die Leere dazwischen kaum noch aushalten.

Wir sehen es, wenn wir arbeiten, obwohl unser Körper längst erschöpft ist. Wir machen weiter. Noch eine Aufgabe. Noch eine E-Mail. Noch ein Call – Der Moment, in dem wir innehalten müssten, fühlt sich unangenehm an.
Wir sehen es auch in unseren Beziehungen. Ein schwieriges Gespräch steht im Raum. Statt es zu führen, lenken wir uns ab. Lass uns einen Film schauen. Wir hoffen, dass sich das Gefühl von selbst auflöst. Doch es bleibt. Und mit der Zeit entsteht Distanz.
Und wir sehen es in unseren Gedanken. Wir gehen immer wieder die gleiche Geschichte durch. Was hätte ich anders machen sollen. Warum behandelt mich jemand so. Diese Gedanken geben uns ein Gefühl von Kontrolle. Gleichzeitig halten sie uns gefangen.
All diese Formen sind heute normal geworden. Sie fallen kaum noch auf. Und genau darin liegt ihre Kraft.

Wenn wir ehrlich mit uns sind, haben wir alle irgendwo ein ideal auf uns abgestimmtet Set an Ablenkungsmanövern. Höchst effizient und tief in unserem Autopiloten integriert.
Im Karmagarten (unserer Welt) ist Klarheit das, was uns sehen lässt, was wir gerade pflanzen.
Wenn wir klar sind, erkennen wir unsere Gedanken, unsere Worte und unsere Handlungen in dem Moment, in dem sie entstehen.
Wir können wählen, wie wir reagieren. Wir können bewusst einen Samen pflanzen, der zu mehr Vertrauen, mehr Nähe und mehr innerer Freiheit führt.
Wenn unsere Klarheit geschwächt ist, verlieren wir diese Wahl. Wir handeln aus Gewohnheit. Wir reagieren automatisch. Wir greifen zu dem, was uns kurzfristig entlastet, auch wenn es uns langfristig schwächt.
Genau hier entsteht der Kreislauf der Sucht.

Was Sucht so mächtig macht, ist nicht die Substanz. Es ist der Verlust der Fähigkeit, innezuhalten.
In diesem Moment verlieren wir den Gärtner und werden zur Pflanze. Wir reagieren, statt zu wählen.
Sucht ist nicht nur die Abhängigkeit von einer Substanz. Sucht ist die Wiederholung eines Musters, das uns von unserer eigenen Klarheit entfernt.
Jedes Mal, wenn wir diesem Muster folgen, wird der Samen stärker. Und jeder stärkere Samen macht es wahrscheinlicher, dass wir beim nächsten Mal wieder genauso handeln.
Ich habe das deutlich gemerkt, als ich mich selbst dabei beobachtet habe, wie ich während eines Films elf Mal (!) zum Kühlschrank gegangen bin, um mir einen Snack zu holen. Ich dachte "Was stimmt mit mir nicht?"
Der Buddha beschrieb diesen Prozess nicht, um uns zu verurteilen. Er beschrieb ihn, damit wir verstehen, dass unsere Klarheit der entscheidende Punkt ist.
Denn Klarheit ist der Moment, in dem wir aus dem Kreislauf aussteigen können.
Klarheit ist der Moment, in dem wir wieder zum Gärtner unseres eigenen Lebens werden.
Wie Sucht unser Leben formt – die Folgen in unserer heutigen Welt
Die Folgen von Sucht zeigen sich selten sofort. Sie entstehen schrittweise. Oft so leise, dass wir sie erst erkennen, wenn sie bereits Teil unseres Lebens geworden sind.
In unseren Beziehungen beginnt es mit kleinen Momenten von Abwesenheit. Wir hören nicht mehr wirklich zu. Wir sind schneller gereizt. Wir reagieren, ohne den anderen wirklich zu sehen.

Vertrauen entsteht durch Präsenz.
Wenn diese Präsenz fehlt, entsteht Distanz. Nicht, weil wir es wollen. Sondern weil wir nicht mehr vollständig da sind.
In der Familie zeigt sich Sucht oft als Rückzug. Wir sind körperlich anwesend, und innerlich beschäftigt. Mit dem nächsten Impuls. Mit dem nächsten Gedanken. Mit dem Wunsch, uns anders zu fühlen, als wir uns gerade fühlen.
Die Menschen, die uns nahestehen, spüren das. Auch wenn niemand darüber spricht.
Im Job verlieren wir durch Sucht einen Teil unserer Klarheit. Unsere Entscheidungen werden ungenauer. Wir lenken uns ab, obwohl wir wissen, was eigentlich wichtig wäre.
Wir verschieben Dinge. Oder wir arbeiten ohne Pause, um uns selbst nicht begegnen zu müssen. Beides entfernt uns von unserer inneren Stabilität.
Am deutlichsten zeigt sich die Wirkung in unserem eigenen Erleben. Sucht schwächt unser Vertrauen in uns selbst.
Wir spüren, dass wir uns von etwas abhängig fühlen. Auch wenn es nur subtil ist. Dieses Gefühl verändert, wie wir uns selbst sehen.

Unsere Selbstachtung wird fragiler. Wir verlieren ein Stück der Sicherheit, einfach mit uns sein zu können.
Mit der Zeit verstärkt sich dieser Kreislauf. Wir greifen schneller zu dem, was uns kurzfristig entlastet. Gleichzeitig entfernt uns genau das von der Klarheit, die wir eigentlich suchen.
Der Buddha beschrieb, dass wir auf diese Weise nicht nur unsere Gegenwart verändern. Wir formen auch unsere Zukunft. Jeder Moment, in dem wir aus Unklarheit handeln, pflanzt einen Samen. Diese Samen bestimmen, wie wir die Welt morgen erleben.
Jeder Moment von Klarheit pflanzt einen anderen Samen. Einen Samen von Freiheit.
Ich erlebe das oft mit Klienten, in deren Welt eigentlich alle Grundlagen für Glück vorhanden sind: sie sind überwiegend gesund, können alle ihre Sinne und Körperfunktionen benutzen, haben ein Dach über dem Kopf, ausreichend Nahrung und Gesellschaft in unmittelbarer Reichweite – und doch sehen sie das nicht mehr, spüren keine Dankbarkeit mehr dafür.
Die entscheidende Erkenntnis ist einfach. Sucht nimmt uns nicht nur etwas im Außen. Sie nimmt uns den Zugang zu dem Teil in uns, der bewusst wählen kann.
Und genau dieser Teil ist der Ursprung jeder Veränderung.

Was die moderne Wissenschaft heute über Sucht und Klarheit weiß
Was der Buddha vor über zweitausend Jahren beobachtete, können wir heute auch in unserem Nervensystem erkennen.
Sucht verändert die Funktionsweise unseres Gehirns. Im Zentrum steht ein Botenstoff namens Dopamin. Dopamin wird oft als Glückshormon bezeichnet. Seine eigentliche Aufgabe ist eine andere.
Es steuert unser Lernen. Es hilft uns zu erkennen, was wichtig ist und worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten sollen.
Wenn wir eine intensive Stimulation erleben, wird Dopamin ausgeschüttet. Das kann durch leckeres Essen oder Alkohol geschehen. Durch Zucker. Durch Social Media. Durch Glücksspiel oder Fitness. Oder durch jede andere Erfahrung, die unser System stark aktiviert.

In einem Gehirn ohne Sucht werden Belohnungsimpulse von der präfrontalen Hirnrinde reguliert – bei Sucht jedoch werden diese Kontrollschleifen gestört, was impulsives Verhalten begünstigt. – Volkow & Boyle
Unser Gehirn merkt sich diese Erfahrung. Es lernt, dass dieser Reiz eine schnelle Veränderung unseres Zustands bewirken kann.
Mit der Zeit entsteht ein Muster. Unser System beginnt, diesen Reiz zu suchen. Wir entscheiden das nicht bewusst, unser Nervensystem hat mit der Zeit gelernt, dass hier eine schnelle Entlastung möglich ist.
Gleichzeitig geschieht etwas anderes. Die Bereiche unseres Gehirns, die für Klarheit und bewusste Entscheidungen zuständig sind, werden schwächer aktiviert. Besonders betroffen ist der präfrontale Cortex.
Dieser Teil unseres Gehirns hilft uns, innezuhalten, zu reflektieren und bewusst zu wählen.

Sucht ist eine komplexe Hirnerkrankung, die die Funktion des präfrontalen Cortex verändert, der für Selbstregulation und verantwortliche Entscheidungen entscheidend ist. – Dr. Nora Volkow
Wenn Sucht stärker wird, verliert dieser Bereich an Einfluss. Wir reagieren schneller. Wir entscheiden impulsiver. Wir verlieren einen Teil unserer Fähigkeit, bei uns selbst zu bleiben.
Genau hier entsteht die Erfahrung, die viele Menschen beschreiben. Sie wissen eigentlich, was ihnen guttun würde. Und sie handeln trotzdem anders.
In meiner schwierigsten Zeit waren Zigaretten, Whiskey und Playstation eine perfekte Kombination. Manchmal waren auch härtere Drogen dabei.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist eine Veränderung in der Funktionsweise unseres Systems.
Und gleichzeitig bedeutet es, dass wir jeden Moment neu beginnen können.

Unser Gehirn ist formbar. Dieser Prozess wird Neuroplastizität genannt.
Neue Erfahrungen können neue Verbindungen schaffen. Jeder Moment, in dem wir bewusst handeln, stärkt die Netzwerke der Klarheit.
Genau das beschreibt auch die buddhistische Lehre. Jeder klare Moment pflanzt einen neuen Samen. Jeder bewusste Moment verändert die Richtung, in die sich unser Leben entwickelt.
Die moderne Wissenschaft und die alte Lehre zeigen hier dasselbe.
Klarheit ist keine feste Eigenschaft. Klarheit ist etwas, das wir stärken können.
Und jeder Moment, in dem wir präsent sind, ist ein Schritt zurück in unsere eigene Freiheit.
Wie wir Klarheit im Alltag wieder festigen können
Der wichtigste Schritt im Umgang mit Sucht ist nicht Kontrolle. Der wichtigste Schritt ist Ehrlichkeit.

Wir beginnen damit, zu sehen. Ohne uns zu verurteilen. Ohne etwas sofort verändern zu müssen. Wir beobachten, in welchen Momenten wir den Impuls spüren, uns zu betäuben.
Ich bin damals mit folgender Frage gestartet:
Von was will ich mich gerade ablenken?
Wir bemerken, wie sich dieser Impuls im Körper anfühlt. Wie er kommt. Und wie er auch wieder gehen kann.
Allein dieses 'Bewusstmachen' verändert etwas!
Es bringt uns zurück in die Position des Gärtners.
Ein erster praktischer Schritt kann sehr einfach sein.
Wir nehmen uns einen Moment am Tag, in dem wir bewusst nichts tun. Kein Handy. Keine Ablenkung. Nur sitzen. Nur atmen. Nur wahrnehmen, was da ist.
Am Anfang kann sich das ungewohnt anfühlen. Vielleicht sogar unangenehm. Genau hier beginnt unsere Freiheit.
Wir lernen, dass wir nicht vor uns selbst weglaufen müssen.
Persönlichkeitsentwicklung findet nicht in der Komfortzone statt.
Ein weiterer Schritt ist, kleine bewusste Entscheidungen zu treffen.
Ein Moment, in dem wir den gewohnten Impuls nicht sofort ausführen. Ein Moment, in dem wir präsent bleiben. Jeder dieser Momente stärkt unsere Klarheit.

Für mich war das die bewusst Entscheidung, mich kalt zu duschen oder auf die Shaktimatte zu legen. Eine direkte, körperliche Erfahrung, die mein System heilsamer aktivierte.
Heute gehören dazu auch noch die heisse Tasse Wasser am Morgen – laut meinem Lehrer Tulku Lobsang Rinpoche die wichtigste Medizin aus der tibetischen Heilkunde.
Meditation und Yoga oder wahlweise Qigong sind auch dabei. Und Atemarbeit ist ein wichtiger Faktor.
Auch moderne, klinische Werkzeuge wie Nurosym helfen nachweisbar, um das Nervensystem besser zu regulieren.
Egal, wo wir gerade sind in unserem Leben: am Anfang jeder Veränderung steht immer eine Bewusstmachung.
Wenn du Lust hast auf eine kleine, ehrliche Reflexion, lass uns direkt mit dem ersten Schritt starten:
Wir können uns 3 einfache Fragen stellen:
In welchen Momenten verlasse ich heute meine Klarheit?
Was versuche ich in diesen Momenten nicht zu fühlen?
Wie fühlt es sich an, wenn ich stattdessen präsent bleibe?
Diese Fragen sind kein Test. Sie sind eine Einladung.
Denn jeder Moment von Klarheit verändert die Samen, die wir pflanzen – also die Art, wie wir über die Welt und alle Lebewesen darin denken, mit ihnen reden oder handeln. Auf Sanskrit: Karma.
Klarheit als Grundlage für Freiheit
Der Buddha beschrieb die Folgen von Sucht nicht, um uns einzuschränken. Er beschrieb sie, um uns zu zeigen, wie Freiheit entsteht. Freiheit beginnt nicht im Außen.
Freiheit beginnt in der Klarheit unseres eigenen Geistes.
In einer Welt voller Ablenkung ist Klarheit etwas Kostbares geworden. Und gleichzeitig ist sie immer noch da. Unter all den Gewohnheiten. Unter all den Mustern.
Sie wartet darauf, dass wir wieder beginnen, hinzusehen.
Jeder Moment, in dem wir präsent sind, ist ein Moment, in dem wir unser Leben bewusst gestalten.
Und vielleicht ist genau das die tiefste Botschaft dieser alten Lehre.
Nicht, dass wir perfekt sein müssen.
Sondern dass wir jederzeit wieder klar werden können.
Die 35 Folgen von Intoxikation in der ursprünglichen Lehre
Die folgenden Punkte stammen aus einer klassischen buddhistischen Quelle. Der Buddha beschreibt darin die konkreten Folgen, die entstehen, wenn der Geist durch Intoxikation seine Klarheit verliert.
Diese Aufzählung ist keine moralische Vorschrift. Sie ist eine Beobachtung von Ursache und Wirkung.
Der Buddha erklärt, dass der Gebrauch von Intoxikanten zu verschiedenen Formen von Leiden führt. Dazu gehören der Verlust von Klarheit, der Verlust von Stabilität, Schwierigkeiten in Beziehungen, Verlust von Selbstachtung und die zunehmende Entfernung von innerer Freiheit. Diese Worte wurden vor über zweitausend Jahren gesprochen. Ihre Bedeutung wird besonders deutlich, wenn wir sie im Licht unserer heutigen Welt betrachten.
Der Buddha lehrte, dass der Gebrauch von Intoxikanten zu den folgenden 35 Problemen führt:
Man verschwendet seinen Wohlstand.
Streit und Konflikte nehmen zu.
Krankheiten entstehen.
Man erwirbt einen schlechten Ruf.
Man verliert Schamgefühl und gesunde Zurückhaltung.
Die Weisheit wird geschwächt.
Die Intelligenz nimmt ab.
Gute Eigenschaften gehen verloren.
Man verliert sein gutes Urteilsvermögen.
Man vernachlässigt seine Pflichten.
Man verliert Respekt gegenüber der eigenen Mutter.
Man verliert Respekt gegenüber dem eigenen Vater.
Man verliert Respekt gegenüber spirituellen Praktizierenden.
Man verliert Respekt gegenüber spirituellen Lehrern.
Man verliert Respekt gegenüber Älteren und Autoritäten.
Man verliert Respekt gegenüber den Buddhas.
Man verliert Respekt gegenüber der Lehre.
Man verliert Respekt gegenüber der spirituellen Gemeinschaft.
Man verliert Respekt gegenüber ethischen Menschen.
Ethisches Verhalten zerfällt.
Die Kontrolle über die Sinne geht verloren.
Sexuelle Selbstkontrolle geht verloren.
Familie und Freunde wenden sich ab.
Andere Menschen empfinden Abneigung.
Beziehungen zerfallen.
Man handelt gegen den Dharma.
Selbstzerstörerische Handlungen nehmen zu.
Man gibt den spirituellen Weg auf.
Man verliert Selbstachtung und gesunde Selbstachtung.
Man verliert die Verbindung zu guten Menschen.
Man verliert die Wertschätzung für das eigene Leben.
Man verliert die Verbindung zur Lehre.
Man entfernt sich vom Weg zur Befreiung.
Der Geist wird verwirrt und instabil.
Der Geist wird krank, und klares Denken geht verloren.
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Die Inhalte dieser redaktionellen Ausarbeitung basieren auf meiner Erfahrung als Psychologischer Berater und Buddhistischer Life Coach
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