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Ängste und Geistesgifte

Aktualisiert: 4. Juni


Jeder von uns hat schon einmal vor irgendetwas Angst gehabt. Ängste begleiten uns seit unserer Geburt, sie sind teilweise auch sehr nützlich und sichern unser Überleben - sie sind jedoch auch hinderlich und belastend. Die Buddhistische Psychologie ermöglicht uns eine neue Sichtweise auf unsere Ängste, so dass wir uns selbst besser verstehen lernen und unheilsame Verhaltensmuster auflösen können.


Dazu ist es wichtig, sich selbst und seinen Ängsten mit einem offnen, unvoreingenommenen Geist zu begegnen und mit einer liebevollen Neugier auf das Thema zu blicken. Damit können wir unsere Ängste Schritt für Schritt verwandeln und uns davon befreien.


Die Grundlage unserer Ängste

In der Buddhistischen Lehre werden drei dominante Geistesgifte erkannt, die - wie der Name schon sagt - unseren Geist vergiften und dadurch Leid verursachen.


Als Wissenschaft von Ursache und Wirkung wurde in der Buddhistischen Psychologie im Laufe von 2.500 Jahren immer wieder unter Beweis gestellt, dass - sobald eines dieser Geistesgifte als Ursache präsent ist - ein bestimmtes Leiden entsteht. Die drei dominanten Geistesgifte sind

  • Verblendung (Missverstehen, Falsches Verständnis)

  • Anhaftung (Gier, Verlangen)

  • Ablehnung (Hass, Aversion)



Diese drei Zustände werden auch als "Wurzel allen Leids" bezeichnet. Die 3 Geistesgifte finden sich im Buddhismus durch Tiere dargestellt, wobei die Verblendung als Wildschwein, die Anhaftung als Hahn und die Ablehnung als Schlange gezeigt wird.


In dieser Bildform finden sie auch Eingang in das „Rad des Lebens“, einem Grundstein der Buddhistischen Lehre von Leben und Leiden, bei dem alles Leid mit dem "Missverstehen" beginnt, also dem falschen Verständnis oder der falschen Sicht auf unsere Welt - und dadurch entstehen dann die weiteren Geistesgifte Anhaftung und Ablehnung. Die drei symbolischen Darstellungen findest du in der Mitte des Rads, der Achse. Das ganze Leben dreht sich also um diese 3 Geistesgifte.


Verblendung, Missverstehen


Verblendung oder Missverstehen ist ein grundlegendes Geistesgift, das unser Denken und Handeln tief beeinflusst und Leid verursacht. Im Rad des Lebens wird dieses Missverstehen auch durch einen blinden Mann dargestellt, der sich mit einem Stock ins Leben tastet (erstes Glied im Rad auf 13 Uhr).


Diese Darstellung symbolisiert, wie wir aufgrund unseres „falschen Sehens“ die wahren Ursachen und Zusammenhänge in unserem Leben nicht erkennen und dadurch immer wieder Leid für uns und andere erzeugen. Wir denken, dass da draußen in der Welt irgendetwas ohne unser Zutun existieren kann.


Dieses Missverstehen entsteht aus einer grundlegenden Unklarheit über die wahre Natur der Dinge. Wir sehen die Welt durch den Filter unserer Vorurteile, Erwartungen und Ängste, was dazu führt, dass wir die Realität verzerrt wahrnehmen. Man spricht hier auch von der "konventionellen Realität".


Dieses falsche Verständnis nährt unsere Missverständnisse und führt zu fehlerhaften Entscheidungen und Handlungen. Wir halten das, was wir wahrnehmen, für "wahr". Die "Ultimative Realität" jedoch ist leer von inhärenter Existenz. Kein Objekt kann existieren, ohne dass es auch ein Subjekt dazu gibt, das es wahrnimmt. Die Natur der Realität ist also "Leerheit", genauer Leerheit von einer Existenz aus sich heraus.



Ein verwirrender Aspekt des Missverstehens ist, dass es oft mit Ignoranz oder Unwissen verwechselt wird. Doch es gibt einen deutlichen Unterschied: Während Unwissen das Fehlen von Wissen bedeutet, ist Missverstehen ein aktives Fehlinterpretieren der Realität.


Der blinde Mann im Rad des Lebens symbolisiert nicht nur das „Nicht-Sehen“, sondern das „Die-Wahrheit-nicht-erkennen“. Dieses Missverständnis wird als Hauptursache dafür angesehen, dass wir immer wieder im Rad des Lebens kreisen und Leid erfahren.


Hinter dem Missverstehen verbirgt sich oft die Angst, die Wahrheit zu erkennen, weil sie unser Selbstbild und unsere Komfortzonen bedrohen könnte. Diese Angst führt dazu, dass wir an unseren falschen Überzeugungen festhalten, auch wenn sie uns Leid zufügen.


Beispiele: Wir glauben, dass es eine Regierung gibt, die aus sich heraus schlechte Dinge tut, ohne dass wir damit in Verbindung stehen. Wir glauben, dass unser Chef oder unsere Kollegen sich falsch verhalten, ohne dass wir etwas damit zu tun haben. Wir glauben, dass unsere Mitmenschen uns kritisieren, ohne dass wir etwas getan haben.



Um das Missverstehen zu überwinden, müssen wir lernen, die Welt mit einem klaren und unvoreingenommenen Geist zu betrachten. Dies erfordert Achtsamkeit und eine tiefgehende Selbstreflexion, um unsere eigenen Vorurteile und falschen Annahmen zu erkennen und zu korrigieren. Indem wir die tieferen Ursachen unseres Denkens und Handelns verstehen, können wir den Kreislauf des Missverstehens durchbrechen.


Es ist wichtig, mit einem offenen und neugierigen Geist zu lernen und zu wachsen, anstatt an starren Überzeugungen festzuhalten. Durch die Praxis der Achtsamkeit und Meditation können wir unsere Wahrnehmung schärfen und lernen, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Dies ermöglicht es uns, uns von dem Geistesgift des Missverstehens zu befreien und ein Leben in Klarheit und innerem Frieden zu führen.



Anhaftung (Gier)


Anhaftung oder Gier ist ein tief verwurzeltes Geistesgift, das unser Leben stark beeinflusst und oft zu Leid führt. Im Buddhismus wird Gier häufig durch einen Hahn dargestellt, der ständig nach Futter pickt und nie zufrieden ist. Diese Darstellung symbolisiert das unaufhörliche Verlangen und die ständige Suche nach Befriedigung, die uns in einen endlosen Kreislauf des Begehrens und der Unzufriedenheit verstrickt.


Gier entsteht aus dem tiefen Bedürfnis, sich selbst intensiv zu spüren. Das, was wir begehren, dient dem Zweck, mit uns selbst in Kontakt zu kommen und unsere inneren Sehnsüchte und Bedürfnisse zu befriedigen. Hinter diesem „Habenwollen“ verbirgt sich oft die Angst, nicht genug zu sein oder nicht genug zu haben. Diese Angst treibt uns dazu, immer mehr zu wollen, in der Hoffnung, dass wir dadurch ein Gefühl der Sicherheit und Erfüllung erreichen.



Jedes Verlangen, jede Sehnsucht oder Gier ist eng mit Angst und Zweifeln verbunden – der Angst, das Gewünschte nicht zu erreichen oder es am Ende wieder zu verlieren.


Diese Verlustangst verstärkt das Gefühl der Gier und lässt uns immer intensiver nach dem streben, was wir begehren. Doch je mehr wir uns auf diese äußeren Objekte und Erfahrungen fixieren, desto mehr entfernen wir uns von unserem inneren Frieden und unserer wahren Natur.



Gier ist letztlich die Sehnsucht nach Verbindung und Liebe und die Angst vor Trennung und Verlust. Sie spiegelt unser tiefes Bedürfnis wider, uns geliebt und verbunden zu fühlen, und gleichzeitig unsere Furcht, diese Verbindung zu verlieren.


Um die Anhaftung zu überwinden, müssen wir uns bewusst mit unseren inneren Ängsten und Unsicherheiten auseinandersetzen. Indem wir diese Ängste anerkennen und mit Mitgefühl betrachten, können wir den Kreislauf der Gier durchbrechen. Es ist wichtig, ein Gefühl der Fülle und Zufriedenheit in uns selbst zu kultivieren, anstatt ständig nach äußeren Quellen der Befriedigung zu suchen.


Durch Achtsamkeit und Selbstreflexion können wir lernen, unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte auf gesunde Weise zu erkennen und zu erfüllen. So können wir Schritt für Schritt die Anhaftung loslassen und ein Leben in innerer Freiheit und Zufriedenheit führen.


Die tägliche Meditation ist hierbei ein wirkungsvolles Werkzeug!



Ablehnung (Hass)


Ablehnung oder Hass ist ein starkes und zerstörerisches Geistesgift, das tiefgreifendes Leid verursacht. Im Buddhismus wird Hass oft durch eine Schlange dargestellt, die schnell und giftig zubeißt. Diese Darstellung symbolisiert, wie rasch Hass und Ablehnung in uns aufsteigen und wie giftig sie unser geistiges und emotionales Wohlbefinden beeinflussen.


Hass entsteht meist aus einer tiefen Abneigung oder einem starken Widerstand gegen bestimmte Personen, Situationen oder Umstände. Diese Abneigung kann durch negative Erfahrungen, Vorurteile oder Missverständnisse genährt werden. Hinter dem Hass verbirgt sich oft die Angst vor Verletzung, Zurückweisung oder Machtlosigkeit. Wenn wir diese Angst nicht erkennen und bearbeiten, verwandelt sie sich in Ablehnung und Aggression.



Ähnlich wie Gier ist auch Hass mit Angst und Unsicherheit verbunden – der Angst, verletzt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren. Diese Angst verstärkt den Widerstand und das Bedürfnis, alles abzulehnen, was als Bedrohung wahrgenommen wird.


Um Hass und Ablehnung zu überwinden, ist es wichtig, ihnen mit Achtsamkeit und Mitgefühl zu begegnen. Indem wir die tieferliegenden Ängste und Unsicherheiten erkennen und annehmen, können wir den Kreislauf von Hass und Ablehnung durchbrechen und zu einem friedlicheren und ausgeglicheneren Geisteszustand gelangen.


So können wir uns schrittweise von diesem zerstörerischen Geistesgift befreien und ein Leben in Harmonie und Akzeptanz führen.



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